A  A+  A++
REHA-Verein Freiburg  |  Berliner Allee 11a  |  79110 Freiburg  |  Telefon 0761/ 38 65-0  |  Telefax 0761/ 38 65-100

Freiburger B√§chleboot " papa-aqua-mobil¬ģ "-edition

 am 06.09.2011

Kommentar der Woche: Unterscheidungen

Die Lautstärke der Kritik am Papstbesuch nimmt zu. Die katholische Kirche geht alles in allem gelassen damit um. In einer freien Gesellschaft sind Demonstrationen und öffentlich geäußerte Kritik immerhin ein Grundrecht.
In der Debatte wird jedoch vieles in einen Topf geworfen - dabei gilt es hier zu unterscheiden. Nicht jeder, der die Unkosten kritisch thematisiert, ist deswegen schon ein Gegner des Papstbesuches. Nat√ľrlich gibt es beispielsweise die legitime Frage, ob nicht mancherorts der Perfektionismus zu weit getrieben wird.

Auch das Freiburger "B√§chleboot" ist in einer speziellen Version f√ľr den Papstbesuch erh√§ltlich. Derzeit nimmt aber auch die Lautst√§rke der Kritik an der Visite zu. Foto: KNA-Bild

Manche tun so, als sei man automatisch Gegner des Papstbesuches, wenn man etwa f√ľr die Frauenordination oder eine ver√§nderte Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualit√§t eintrete. Nichts w√§re falscher. Fragen dieser Art werden innerkirchlich seit Langem diskutiert. Vor wenigen Wochen ist ein Buch erschienen, in dem gro√üe Teile der deutschsprachigen Moraltheologie sich f√ľr ein Durchdenken der ganzen Sexualmoral stark machen. Es liegt auf der Hand, dass Reformen dieser Art nicht ohne den Papst, sondern nur zusammen mit ihm realisierbar w√§ren.

√Ąhnlich verh√§lt es sich mit den "Viri probati": Einer der h√∂chstrangigen Repr√§sentanten der Bundesrepublik Deutschland und damit Gastgeber von Papst Benedikt XVI., Bundestagspr√§sident Norbert Lammert, hat sich vor wenigen Monaten zusammen mit anderen Unionskolleginnen und -kollegen √∂ffentlich daf√ľr ausgesprochen, dass die Kirche in Familie und Beruf bew√§hrte M√§nner zu Priestern weiht.

Auch wer sich Gedanken dar√ľber macht, wie man einen solchen Besuch des Bischofs von Rom auch anders h√§tte gestalten k√∂nnen, muss deswegen noch kein frontaler Gegner des Papstbesuches sein. Schon unter Papst Johannes Paul II. hat es Versuche gegeben, den Papst nicht nur als Sprechenden, sondern auch als Zuh√∂renden zu erleben.

Hinter mancher fundamentalen Papstkritik dagegen verbergen sich grundlegend andere Auffassungen von der Stellung der Religion in der Gesellschaft, √ľber das Miteinander von Staat und Kirche. Oder dass man dem Papst seinen Status als V?lkerrechtssubjekt bestreitet. Damit geht diese Kritik aber weit √ľber den unmittelbaren Anlass des Papstbesuches hinaus.

Klaus Nientiedt