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Aktuelles / Medien


vom Samstag, 15. Juni 2013

Geld befreit von Pflichten

Landesbehindertenbeauftragter Gerd Weimer kritisiert die Ausgleichabgabe als viel zu niedrig.

Der Mensch stand im Mittelpunkt, so auch das Schild im Hintergrund, beim Gedankenaustausch von Norbert
Klein-Alstedde (links), Geschäftsleiter des REHA-Vereins und dem Landes- behindertenbeauftragten Gerd Weimer
Foto: Markus Zimmermann

KREIS EMMENDINGEN. "Den Behindertenbeauftragten kommt bei der Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes eine Schl√ľsselfunktion zu", erkl√§rte Gerd Weimer am Freitag bei seiner Visite im Landkreis. Da es bei der Inklusion darum gehe, "raumnah Strukturen vor Ort zu st√§rken", spricht sich der Landesbehindertenbeauftragte f√ľr "professionelle Behindertenbeauftragte auf Kreisebenen aus". Weimer besuchte auf Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Sabine W√∂lfle die REHA-Werkstatt in Emmendingen und die Wabe in Waldkirch.

"Was ich hier in Emmendingen vorgefunden habe, k√∂nnte eine Vision f√ľr Viele sein", res√ľmierte er das rund eineinhalbst√ľndige Gespr√§ch mit den Vertretern des REHA-Vereins.

Gerade das Integrationsprojekt Relan √ľberzeugte Weimer. Eine kleine Schreinerei, in der psychisch Kranke Erfahrungen f√ľr die Integration in den ersten Arbeitsmarkt sammeln. "Unser Problem ist dabei nicht, dass Handwerker uns als Konkurrenz erleben", erkl√§rte Norbert Klein-Alstedde, Gesch√§ftsleiter des REHA-Vereins. Auch die Leistungen von R'elan w√ľrden normal kalkuliert, w√ľrden sich nur durch den halbierten Mehrwertsteuersatz unterscheiden, was auf dem freien Markt keine Bedeutung habe.

Der REHA-Verein w√ľrde gerne expandieren

Vielmehr habe der REHA-Verein das Problem, ausreichend Betroffene zu finden, die bei R'elan arbeiten. "Wenn der Integrationsfachdienst neutral beraten und nicht andere Tr√§ger bevorzugen w√ľrde, k√∂nnten wir sogar expandieren", so Klein-Alstedde. Der Konkurrenz der Sozialverb√§nde begegnet werden k√∂nne nur durch eine Kontrolle forderte er. Ulrike Kleinknecht-Str√§hle, Dezernatsleiterin f√ľr Soziales am Landratsamt, habe dies gut angegangen.

Inklusion im Arbeitsmarkt sei nach wie vor ein hei√ües Eisen, so Weimer. Obwohl die Wirtschaft boome, gehe der Aufschwung an den Behinderten vorbei. "Die Ausgleichsabgabe - 2100 Euro im Jahr - muss deutlich h√∂her werden", ist Weimer der Meinung, dass sich Arbeitgeber noch viel zu billig um die Verpflichtung, Behinderte besch√§ftigen zu m√ľssen, herumdr√ľcken k√∂nnen. Darin sei er sich mit allen Behindertenbeauftragten der L√§nder einig. Klein-Alstedde und W√∂lfle forderten aber zugleich auch einen Paradigmenwechsel. Es m√ľsse auch hinterfragt werden, ob sich die UN-Charta zur gleichberechtigten Teilhabe mit Sonderrechten, wie mehr Urlaub und beim K√ľndigungsschutz, vertrage.

Genauer hinzuschauen forderte Klein-Alstedde auch bei der Umsetzung des Heimgesetzes. Er wies auf die Problematik hin, dass die beabsichtigte Dezentralisierung unterlaufen werde. Mit der Schaffung gro√üer psychiatrischer Pflegeheime werde die alte Psychiatrie der 1960er-Jahre nur auf h√∂herem Level wieder eingef√ľhrt und den Bewohnern ein feudales Angebot gemacht, bei dem sie letztlich keine Motivation h√§tten, an ihrer Situation etwas zu √§ndern. Nachkorrigiert werden m√ľsse auch bei der Forderung nach 25 Quadratmetern. "Solchen Wohnraum bekommen kleine Tr√§ger, die Wohnen in einem m√∂glichst normalen Umfeld anbieten wollen, gerade im Umfeld von Freiburg nicht", sagte Klein-Alstedde.

Autor: Markus Zimmermann

Bilder vom Besuch: