A  A+  A++
REHA-Verein Freiburg  |  Berliner Allee 11a  |  79110 Freiburg  |  Telefon 0761/ 38 65-0  |  Telefax 0761/ 38 65-100

Aktuelles / Medien


vom Montag, 12 August 2013

"Inklusion f├╝r uns ein wichtiges Thema"

Einen Blick hinter die Kulissen der REHA-Werkstatt warfen B├╝rgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich und die Vertreter der Stadtratfraktion.
Foto: MPS

M├ťLLHEIM (mps). Wie steht es um die Inklusion? Wie k├Ânnen psychisch kranke Menschen beruflich integriert werden? Das waren zwei von mehreren Fragen, auf die Mitarbeiter der REHA-Werkstatt interessante Antworten gaben. Der Besuch bildete den Abschluss der Sommertour von B├╝rgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich und den Vertretern des Gemeinderates.

Politisch wird die Integration von psychisch Kranken und Menschen mit Behinderung schon lange gefordert. Erst mit der Festschreibung der Inklusion durch die Vereinten Nationen und die Umsetzung kam Bewegung. Tats├Ąchlich gibt es l├Ąngst Einrichtungen, die die Idee von der Inklusion leben. Eine von ihnen ist die REHA-Werkstatt, die 1979 in Freiburg gegr├╝ndet wurde. Das zentrale Konzept: Psychisch kranke Menschen in kleinen ├╝berschaubaren Gruppen sowohl eine Wohnm├Âglichkeit zu geben und dar├╝ber hinaus in die Arbeitswelt zu integrieren. Einer der Initiatoren und heutige Vorsitzender der als Verein organisierten Einrichtung ist der Psychologe Norbert Klein-Alstedde. Das Konzept sei, so Klein-Alstedde, auf die Belange der betreuten Menschen ausgerichtet. Entsprechend werden die Personen als Mitarbeiter gef├╝hrt und eingesetzt, sie erhalten bei vielen Entscheidungen beispielsweise ├╝ber Arbeitsgruppen oder Mitarbeitertreffen ein Mitspracherecht. "Das erh├Âht f├╝r die Menschen die Transparenz und f├Ârdert auch das Selbstwertgef├╝hl", erkl├Ąrt der Psychologe. Und es geht um eine Restrukturierung des t├Ąglichen Lebens der Einzelnen, das die Sinnhaftigkeit und auch die individuelle Belastung f├Ârdern soll.

Ganz bewusst habe man sich f├╝r kleine Wohneinrichtungen und Arbeitsgruppen entschieden. Dagegen stehe eine Belegungspolitik, die junge psychisch kranke Erwachsene ohne Pflegebedarf in gro├čen Einrichtungen, psychiatrischen Pflegeheimen unterbringt, wo die Menschen eher hospitalisiert als individuell gef├Ârdert und in den Alltag der Au├čenwelt integriert w├╝rden, kritisierte Klein-Alstedde. Schnell lernten die als Mitarbeiter gef├╝hrten Menschen, dass in den Werkst├Ątten praktisch keine Unterschiede zwischen Kranken und Gesunden gemacht werden. Als ein Musterbeispiel bezeichnete der Psychologe und Vorsitzende die R'elan-Schreinerei in Emmendingen, wo gesunde und kranke Mitarbeiter an Projekten beispielsweise f├╝r den Europa-Park Rust gemeinsam arbeiten. "Die Auftraggeber sind erstaunt, weil sie nicht zwischen gesundem und krankem Mitarbeiter unterscheiden k├Ânnen", lobt Norbert Klein-Alstedde die ausgezeichnete Integration. Untermauert wird diese Aussage durch ein Videointerview mit einem Vertreter des Europa-Parks.

Einen ├Ąhnlichen Ansatz verfolgen die vier REHA-Werkst├Ątten in Freiburg, Emmendingen, Kirchzarten und M├╝llheim. "Hier gibt es nur Lohn f├╝r geleistete Arbeit", erkl├Ąrt der Psychologe. Am neuen Standort der M├╝llheimer Werkstatt in der Haltinger Stra├če sind heute 29 Mitarbeiter besch├Ąftigt, die Montagearbeiten f├╝r gro├če Firmen wie Johnson Controls, Neoperl, Pearl und Hekatron ausf├╝hren. Die Qualit├Ąt der Arbeit muss anscheinend ausgezeichnet sein - nicht umsonst konnte der Einrichtungschef von vollen Auftragsb├╝chern berichten. Die meisten stammen aus M├╝llheim und der Umgebung. "Kurze Wege von der Wohnung zur Arbeit ist ein weiteres Ziel", erkl├Ąrt Klein-Alstedde. Das Besch├Ąftigungsangebot reicht vom Zuverdienst bis hin zum rentenversicherten Arbeitsverh├Ąltnis, das eine staatliche Grundsicherung ├╝berfl├╝ssig mache. Die Besch├Ąftigung richtet sich nach dem pers├Ânlichen Profil des Einzelnen.

Die Arbeit der Einrichtungen wie der REHA-Werkstatt scheinen immer wichtiger zu werden: Norbert Klein-Alstedde nimmt einen Trend zur H├Ąufung von psychischen Erkrankungen wahr. Hier spielten der Burn Out und Depressionen eine gewichtige Rolle. Gr├╝nde f├╝r diese Entwicklung sieht der Psychologe in den steigenden Anforderungen an die Arbeitsleistung, das erh├Âhte Tempo im Arbeitsprozess.

"F├╝r uns als Kommune ist das Thema Inklusion ein immer wichtiger werdendes Thema", stellte am Ende des Besuchs B├╝rgermeisterin Siemes-Knoblich fest.

Zur├╝ck zur ├ťbersicht: REHA-Werkstatt M├╝llheim