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Aktuelles / Medien


vom Donnerstag, 15. August 2013

Sommertour II: Die REHA-Werkstatt als wichtiger Baustein f├╝r die Inklusion

Zum Abschluss der Sommertour machten B├╝rgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich und die Vertretender Gemeinderatsfraktionen Halt bei einer sehr interessanten Einrichtung, die sich besonders um die Inklusion von Menschenmit psychischen Erkrankungen k├╝mmert. In ├╝berschaubaren Wohn- und Arbeitseinheiten bringt die REHA-Werkstatt ihre Mitarbeiter zur├╝ck ins Berufsleben. Viele von ihnen k├Ânnen auf diese Weise f├╝r ihren eigenen Lebensunterhalt und Rentenanspr├╝chen arbeiten.

Politisch wird die Integration von psychisch Kranken und Menschen mit Behinderung schon lange gefordert. Erst mit der Festschreibung der Inklusion durch die Vereinten Nationen und die faktische Umsetzung kam Bewegung in die Materie. Tats├Ąchlich gibt es l├Ąngst Einrichtungen, die die Idee von der Inklusion leben. Eine von ihnen ist die REHA-Werkstatt, die 1979 in Freiburg gegr├╝ndet wurde. Das zentrale Konzept: Psychisch kranke Menschen in kleinen ├╝berschaubaren Gruppen sowohl eine Wohnm├Âglichkeit zu geben und dar├╝ber hinaus in die Arbeitswelt zu integrieren. Einer der Initiatoren und heutige Vorsitzender der als Verein organisierten Einrichtung ist der Psychologe Norbert Klein-Alstedde. Das Konzept sei, so Klein-Alstedde, auf die Belange der betreuten Menschen ausgerichtet. Entsprechend werden die Personen als Mitarbeiter gef├╝hrt und eingesetzt, sie erhalten bei vielen Entscheidungen beispielsweise ├╝ber Arbeitsgruppen und Mitarbeitertreffen wie der Werkstatt-Tag ein Mitspracherecht. "Das erh├Âht f├╝r die Menschen die Transparenz und f├Ârdert auch das Selbstwertgef├╝hl", erkl├Ąrt der Psychologe. Und es geht um eine Restrukturierung des t├Ąglichen Lebens der Einzelnen, das die Sinnhaftigkeit und auch die individuelle Belastung f├Ârdern soll. Ganz bewusst habe man sich f├╝r kleine Wohneinrichtungen und Arbeitsgruppen entschieden. "Dagegen steht die Belegungspolitik des Landes, die psychisch Kranke gerne in gro├čen Einrichtungen unterbringt", kritisierte Klein-Alstedde. Dort w├╝rden die Menschen eher hospitalisiert als individuell gef├Ârdert und in den Alltag der "Au├čenwelt" integriert. Schnell lernten die als Mitarbeiter gef├╝hrten Menschen, dass in den Werkst├Ątten praktisch keine Unterschiede zwischen Kranke und Gesunde gemacht werden. Als ein Musterbeispiel bezeichnete der Psychologe und Vorsitzende die R'elan-Schreinerei in Emmendingen, wo gesunde und kranke Mitarbeiter an Projekten beispielsweise f├╝r den Europa-Park Rust gemeinsam arbeiten. "Die Auftraggeber sind erstaunt, weil sie nicht zwischen gesundem und krankem Mitarbeiter unterscheiden k├Ânnen", lobt Norbert Klein-Alstedde die ausgezeichnete Integration. Untermauert wird diese Aussage durch ein Videointerview mit einem Vertreter des Europa-Parks.

Einen ├Ąhnlichen Ansatz verfolgen die vier REHA-Werkst├Ątten in Freiburg, Emmendingen, Kirchzarten und M├╝llheim. "Hier gibt es nur Lohn f├╝r geleistete Arbeit", erkl├Ąrt der Psychologe. Am neuen Standort der M├╝llheimer Werkstatt in der Haltinger Stra├če sind heute 29 Mitarbeiter besch├Ąftigt, die Montagearbeiten f├╝r gro├če Firmen wie Johnson Controls, Neoperl, Pearl und Hekatron ausf├╝hren. Das Besch├Ąftigungsangebot reicht vom Zuverdienst bis hin zum rentenversicherten Arbeitsverh├Ąltnis, das eine staatliche Grundsicherung ├╝berfl├╝ssig mache. Die Besch├Ąftigung richtet sich nach dem pers├Ânlichen Profil des Einzelnen. So fallen einfache bis komplexere Arbeiten an, andere Mitarbeiter werden mittlerweile bei B├╝roarbeiten beispielsweise in der Mitarbeiterverwaltung eingebunden. "Die Arbeit soll fordern, sie soll Spa├č machen und den Menschen ein St├╝ck Selbstverantwortung vermitteln", erkl├Ąrt der Vorsitzende. Bei allem Erfolg qu├Ąlen die Einrichtung durchaus auch Probleme. Es knarzt laut Klein-Alstedde bei der Zusammenarbeit mit der Agentur f├╝r Arbeit, die mit ihrer starren Haltung die reibungslose Eingliederung in die Besch├Ąftigung immer wieder erschwere. Dabei scheint die Arbeit der Einrichtungen wie die REHA-Werkstatt immer wichtiger zu werden: Norbert Klein-Alstedde nimmt einen Trend zur H├Ąufung von psychischen Erkrankungen wahr. Hier spielten der "Burn Out" und Depressionen eine gewichtige Rolle. Gr├╝nde sieht der Psychologe in den steigenden Anforderungen an die Arbeitsleistung, das erh├Âhte Tempo im Arbeitsprozess. "Die Menschen funktionieren nur noch", bedauert der Experte. "F├╝r uns als Kommune ist das Thema Inklusion ein immer wichtiger werdendes Thema", stellte am Ende des Besuchs B├╝rgermeisterin Siemes-Knoblich fest.

Vorl├Ąufiges Fazit zur Sommertour

Zum Ende der Sommertour gab es auch ein erstes Res├╝mee: "Die Sommertour diente dazu, sich anhand exemplarisch ausgesuchter Betriebe ├╝ber besondere Frage- und Problemstellungen verschiedener Branchen bzw. gesellschaftspolitischer Handlungsfelder zu informieren. Die Schwerpunkte der ersten Sommertour waren: Landwirtschaft/ Weinbau mit Gastronomie, Handwerk im l├Ąndlichen Raum, Inklusion. Zu diesem Zweck haben wir - B├╝rgermeisterin, Vertreter des Gemeinderats und Wirtschaftsf├Ârderer Schneider - die Firma Rieger in Britzingen, den Obsthof L├Ąngin und das Weingut Schneider sowie die REHA-Werkstatt besucht. Neben individuellen Informationen ├╝ber die einzelnen Betriebe, haben wir eine Reihe von Anregungen f├╝r unsere Arbeit in der Verwaltung, aber auch im ├╝bergeordneten politischen Netzwerk mitgenommen. So werden wir uns im kommenden Jahr verst├Ąrkt f├╝r die Sicherung des Handwerks im l├Ąndlichen Raum einsetzen. Dies betrifft unseren Bereich Wirtschaftsf├Ârderung, den Kontakt mit den Innungen wie zum Beispiel auch unseren Einsatz f├╝r den Erhalt der beruflichen Schulen am Standort M├╝llheim. Dar├╝ber hinaus gilt es, uns f├╝r den Erhalt und den Ausbau landwirtschaftlicher Sonderkulturen einzusetzen. Im Bereich Inklusion konnten wir wichtige Erkenntnisse dar├╝ber gewinnen, dass das Thema nicht an den T├╝ren der Schulen und Kinderg├Ąrten aufh├Ârt, sondern sich weiter in das Berufsleben ziehen muss. Die Sommertour war f├╝r uns eine wichtige und erfolgreiche 'Fortbildungsveranstaltung' f├╝r unsere t├Ągliche Arbeit und wird im kommenden Jahr auf jeden Fall fortgef├╝hrt."

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