A  A+  A++
REHA-Verein Freiburg  |  Berliner Allee 11a  |  79110 Freiburg  |  Telefon 0761/ 38 65-0  |  Telefax 0761/ 38 65-100

Aktuelles / Medien

13. April 2013

Kongress in Freiburg "Wege in eine inklusive Kommune".

Kongress 13.04.2013 "Wege in eine inklusive Gesellschaft"

Forum VI
"Inklusion als Herausforderung einer kommunalen Arbeitspolitik"

Moderation:
Ulrich von Kirchbach

Teilnehmerzahl: 40 - 45 Personen

Nach der Begr√ľ√üung des B√ľrgermeisters und Moderators dieses Forums, Ulrich von Kirchbach, begann Boris Gourdial, Gesch√§ftsf√ľhrer der Bundesagentur f√ľr Arbeit Freiburg, den Impulsvortrag "Wege in eine inklusive Kommune: Erfolgreich im Beruf - mit Handicap".
Boris Gourdial stellt die Gesamtzahl sowie die Anzahl der besch√§ftigten Menschen mit einer schweren Einschr√§nkung der Stadt Freiburg vor. Demnach leben in dieser insgesamt 17 820 Personen mit schwerer Behinderung, von denen sch√§tzungsweise 3 500 einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz innehaben bzw. alsgleichgestellt gelten, was einer Besch√§ftigungsquote von √ľber 40% entspricht, wenn man die Menschen im nicht erwerbsf√§higen Alter in der Betrachtung bedenkt. Neben diesen besetzten Arbeitspl√§tzen existieren 591 Pflichtarbeitspl√§tze, f√ľr welche Ausgleichsabgaben der jeweiligen Betriebe gezahlt werden.
Es wird der nationale Aktionsplan der Bundesagentur f√ľr Arbeit vorgestellt, in welchem an der Umsetzung von mehr als 30 Ma√ünahmen gearbeitet wird, von denen Boris Gourdial f√ľnf Punkte genauer ausf√ľhrt. Er betont die inklusiven Strukturen innerhalb von Aus- und Weiterbildungen, die Verbesserung der Besch√§ftigungssituationen von Menschen mit schweren Einschr√§nkungen, die Besch√§ftigung von Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt, den barrierefreien Zugang zu jeglichen Dienstleistungen der Bundesagentur f√ľr Arbeit sowie die Vorbildfunktion der Bundesagentur als Arbeitgeber.
Dabei werden die Aufgaben und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben der Bundesagentur, wie z.B. verschiedenste Beratungen und F√∂rderungen bzgl. Aus- und Weiterbildungen als allgemeine Leistung, Kosten√ľbernahmen f√ľr u.a. rehaspezifische Ma√ünahmen als besondere Leistungen und Zusch√ľsse und Arbeitshilfen als besondere Leistungen an die Arbeitgeber aufgezeigt.
Um die Herausforderungen in den Bereichen "T√§tigkeitsstrukturen", "Qualifikationsstrukturen","Demographischer Wandel", "Arbeitsmarkt" und "Bildung" bew√§ltigen zu k√∂nnen, m√ľssen Informationsdefizite auf der Seite der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer verringert werden, Vernetzung der zust√§ndigen Institutionen und die Einbindung der Wirtschaft m√∂glich gemacht werden, so Gourdial. Au√üerdem wird das j√§hrliches Budget f√ľr Rehabilitanden und Menschen mit schwerer Einschr√§nkung von 11,9 Mio auf 14 Mio Euro erh√∂ht.

Prof. Helmut Schwalb berichtet im Anschluss von dem Werdegang des nach SGB IX definierten integrativen Betriebes "Hofgut Himmelreich" in der Region Freiburg. Das Hofgut ist ein sozialpolitischer, hybrider gastronomischer Betrieb, in dem Menschen sowohl ohne als auch mit Einschr√§nkungen besch√§ftigt sind. Die Anzahl der Besch√§ftigten mit Einschr√§nkungen liegt bei mindestens 25%, geht jedoch nicht √ľber 50% hinaus. Momentan liegt die Anzahl der Besch√§ftigten bei 12 Menschen mit und 15 Menschen ohne Einschr√§nkung, die unter denselben Gesch√§ftsbedingungen sozialversicherungspflichtig und unbefristet angestellt sind. Die Besch√§ftigten mit einer Einschr√§nkung sind in allen Bereichen des Betriebes, von Service √ľber Besch√§ftigungen in der K√ľche bis hin zu hausmeisterlichen Bereichen t√§tig.
Die Auszubildenden, welche meist F√∂rderschulabsolventInnen sind, bekommen zu Beginn ihrer Besch√§ftigung eine pers√∂nliche Assistenz zur Einarbeitung in die innerbetrieblichen Abl√§ufe und k√∂nnen im weiteren Verlauf verschiedene Modulpr√ľfungen im Bereich der Gastronomie absolvieren, welche von der Industrie- und Handelskammer abgenommen und zertifiziert werden.
Seit 2006 existiert die eigens entwickelte "Integrative Akademie Himmelreich", welche Modelle f√ľr die integrative Berufsbildung von Menschen mit Einschr√§nkungen, Beratung und Schulungen f√ľr F√ľhrungskr√§fte aus weiteren integrativ arbeitenden gastronomischen Betrieben und Tagungen zur Entwicklung und Verbreitung der inklusiven Besch√§ftigung von Menschen mit Einschr√§nkungen bieten.

Norbert Klein-Alstedde stellt den Integrationsbetrieb "R'elan gGmbH" einen Betrieb, in dem Menschen mit und ohne eine Behinderung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt nachkommen können, vor.
Das Konzept des seit 20 Jahren existierenden Betriebes beinhaltete zu Beginn das Fertigen von n√ľtzlichen Holzgegenst√§nden und/oder -spielzeug, die unter anderem in der Freiburger Innenstadt verkauft wurden und zur Zeit werden.
Aktuell besteht die "R'elan gGmbH" aus einer Schreinerei und einem Zerspanungsbetrieb (Metall), welche u.a. Einrichtungen f√ľr Kindertagesst√§tten, Arztpraxen sowie Fernsehproduktionen und den "Europa-Park" herstellen.
Die Betriebe beschäftigen insgesamt 15 Personen,
von denen zur Zeit 5 Personen eine schwere Behinderung haben
.
Im Weiteren stehen 9 Praktikumspl√§tze zur Verf√ľgung, von denen momentan
5 Plätze von Menschen mit einer schweren Behinderung eingenommen werden.

Frau Kerstin Axt stellt zum Abschluss die "Virtuelle Werkstatt Saarbr√ľcken" vor, ein Konzept zur Eingliederung von Menschen mit seelischer Erkrankung - durch ausgelagerte Arbeitspl√§tze - in den ersten Arbeitsmarkt.
Die Virtuelle Werkstatt des Tr√§gers Saarland-Heilst√§tten GmbH vermittelt und unterst√ľtzt mit Hilfe von 4,5 Fachkr√§ften 72 Arbeitnehmer an verschiedenste Betriebe, die jeweils an die F√§higkeiten, W√ľnsche und ggf. Ausbildungsbereiche der erkrankten Menschen angepasst werden. Durch ein vierw√∂chiges Praktikum k√∂nnen die F√§higkeiten innerhalb des Betriebes erprobt und bewertet werden. Die Voraussetzungen an die Arbeitnehmer sind die F√§higkeit, mindestens drei Stunden t√§glich erwerbsf√§hig sowie mobil zu sein, da keine Fahrdienstleistungen erbracht werden k√∂nnen. Im Weiteren ist eine starke Motivation der Menschen mit einer seelischen Einschr√§nkung bzgl. einer Erwerbst√§tigkeit von N√∂ten, um diese an die einzelnen Betriebe vermitteln zu k√∂nnen.
Die Virtuelle Werkstatt akquiriert kontinuierlich neue Betriebe und unterst√ľtzt mitwirkende Betriebe z.B. durch tempor√§re Assistenzkr√§fte der einzelnen ArbeitnehmerInnen mit psychischen Einschr√§nkungen.
Die Entlohnung wird von den jeweiligen Betrieben √ľbernommen und beziehen sich auf das Leistungsverm√∂gen und den Wert der abgeleisteten Arbeit, wobei in Einzelf√§llen Teile von der Tr√§gerschaft √ľbernommen werden.
Die "Virtuelle Werkstatt Saarbr√ľcken" sieht sich selbst nicht als Alternative, sondern vielmehr als Erg√§nzung zur allgemeinen Werkstatt f√ľr behinderte Menschen.

Bilder vom Kongress:

   
Grußworte und Vorträge
   
Großes Interesse an den
   
Inklusionsprojekten der R'elan
   
Forum VI: Arbeit und Inklusion
B. Gourdial
Bundesagentur f√ľr Arbeit
 
Professor H. Schwalb
Hofgut Himmelreich
 
N. Klein-Alstedde
REHA-Verein / R'elan

Weitere Informationen √ľber den Kongress erhalten Sie hier.