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Chronik

 Emmendingen berichtet am 10. Dezember 1983

Tag der offenen Tür in der Emmendinger REHA-Werkstatt
Lebensinhalt durch Initiative

NATÜRLICHE MATERIALIEN dominieren in der Emmendinger Reha-Werkstatt.

Emmendingen (mk). Die Reha-Werkstatt mit angegliedertem Laden in Emmendingen ist eine weitere Initiative, die sich das ganze Jahr über um einen Personenkreis bemüht, welcher der Hilfe bedarf, ohne regelmäßige Zuschüsse zu erhalten. Träger ist der Reha-Verein, der vor rund sechs Jahren in Freiburg gegründet wurde. Psychisch Kranken und Mitbürgern mit seelischen Konflikten durch langandauernde Arbeitslosigkeit oder familiäre Schwierigkeiten bietet der Verein durch Arbeitsangebote eine Möglichkeit, wieder eine Aufgabe zu finden, die das Selbstwertgefühl stärkt und neuen Antrieb vermitteln kann.
Vor rund einem Jahr wurden die Reha-Werkstatt in der Karl-Friedrich-Straße 13a (Hinterhaus) und der Laden in der Hochburger Straße 11 eröffnet. Eine Werkstatt, die nicht mit Behindertenwerkstätten zu vergleichen ist, die finanziert werden, denn hier wird der Versuch gewagt, eine Werkstatt aufzubauen, die sich aus eigener Produktion trägt. Das Fazit nach einem Jahr ist ermutigend: 20 Männer und Frauen arbeiten in dieser Einrichtung bereits unter Betreuung. Je nach eigenem Zutrauen und Fähigkeiten vier, sechs oder sieben Stunden täglich, darunter auch ständige Patienten des Psychiatrischen Landeskrankenhauses, um einen Wiedereinstieg in das Arbeitsleben zu trainieren oder die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn zu überbrücken.
Die Arbeiten mit Naturprodukten umfassen im Wesentlichen die Herstellung von Holzspielzeug. Weitere Arbeitsbereiche sind die Teilfertigung von Strohschuhen sowie Montage- und Lötarbeiten für die freie Wirtschaft. Einmal pro Woche findet ein Werkstattgespräch statt, bei dem Konflikte am Arbeitsplatz, Arbeitsverteilung und die finanzielle Situation besprochen werden. Die festen Kosten und das Entgelt für die Beschäftigten können aus der eigenen Produktion bereits gedeckt werden, nicht jedoch die Personalkosten für die benötigten zwei Betreuer und Investitionen.
Im angegliederten Laden werden auch Gegenstände verkauft, die aus anderen sozialen Einrichtungen stammen. Auch Batiken, Wolle und Webartikel aus griechischen und indischen sozialen Einrichtungen gelangen dort zum Verkauf. Er bietet nicht nur weitere Arbeitsmöglichkeiten, sondern stellt für die dort Beschäftigten auch eine Möglichkeit dar, aus ihrer Isolierung herauszukommen.
Die Reha-Werkstatt hat den Anspruch, jedem Beschäftigten eine möglichst große Abwechslung in der Arbeit zu bieten - jeder wird in alle Arbeitsbereiche eingearbeitet - um dadurch die Selbstverantwortung zu fördern. Dies geschieht so betriebsähnlich wie möglich, um den Wechsel in einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu ermöglichen; zum anderen will der Verein Dauerarbeitsplätze für jene einrichten, die den Ansprächen eines Normalbetriebes durch den viel größeren Leistungsdruck nicht mehr gerecht werden können. Für die Werkstatt selbst hat die Flexibilität ihrer Beschäftigten den Vorteil, dass sie die verschiedenartigsten Aufträge annehmen kann.
"Es ist erstaunlich, welche persönliche Stabilisierung durch Arbeit bewirkt wird", meint der Werkstattleiter, Sozialarbeiter Volker Dürre. Er zeigte sich sehr erfreut über die gute Zusammenarbeit mit Ämtern, Behörden, Psychiatrischem Landeskrankenhaus und anderen karitativen Einrichtungen sowie insbesondere darüber, dass der Laden in der Hochburger Straße erstaunlich schnell bekannt und von der Bevölkerung frequentiert wird.
Benötigen würde die Reha-Werkstatt noch Arbeitstische, eine Kreissäge, und Hobelmaschine - Investitionen, die sich der Verein jedoch nicht erlauben kann. Über ihre Arbeitsmöglichkeiten und Erfahrungen werden die Betreuer der Reha-Werkstatt im Rahmen des BZ-Adventsfestes morgen, Samstag, bei einem Tag der offenen Tür interessierte Besucher informieren,? wobei auch die dort gefertigten Arbeiten zu besichtigen sein werden.
Bild: Köllges/BZ