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Chronik

 Emmendingen berichtet am 07. Dezember 1985

Die Emmendinger REHA-Werkstatt besteht seit 3 Jahren
Anlaufstelle und Arbeitsstätte

ALLE HÄNDE VOLL ZU TUN haben die Mitarbeiter der REHA-Werkstatt in Emmendingen.

Emmendingen (tru). Manchmal ist kaum noch ein Durchkommen. Denn wenn die Paletten mit den Kunststoffprodukten der Teninger Firma Thieme in der Karl-Friedrich-Straße 11 ausgeladen werden, haben die Mitarbeiter der REHA-Werkstätte alle Hände voll zu tun. So versteht sich Sozialarbeiter Volker Dürre als Leiter dieser beschützenden Werkstatt durchaus auch als kaufmännisch denkender Organisator.
Drei Jahre besteht diese Einrichtung jetzt in Emmendingen, und in diesem Zeitraum stieg ihre Mitarbeiterzahl von drei auf heute beachtliche vierzig. Stolz ist Dürre darauf, dass die REHA-Werkstatt ihre Sach- und Personalkosten durch eigene Aufträge finanzieren kann. Zum Gesamtetat trägt darüber hinaus ein städtischer Jahreszuschuss von 5000 und ein Kreiszuschuss von 2000 Mark bei.
Fünf Mitarbeiter sind inzwischen fest angestellt, der Großteil arbeitet halbtags oder stundenweise. Bei den Aufträgen achtet die Werkstatt auf Übereinstimmung mit den Fähigkeiten der einzelnen Arbeitskräfte. Einige von ihnen sind damit beschäftigt, Automobilzubehörteile zu entgraten. Andere montieren Computergehäuse oder Büropulte, weitere sind mit Löt- und Montagearbeiten im Transformatorenbau beschäftigt. Zu den Kunden der REHA-Werkstätte zählen beispielsweise die Emmendinger Firma Upat und die Nimburger Firma Schmelzer.
In einer eigenen Schreinerei hat man sich nicht nur auf die Produktion eigener Holzspielsachen konzentriert, sondern ist auch im Regal-, Möbel- und Palettenbau tätig.
Überhaupt wird die REHA-Palette immer breiter. Denn derzeit wird im Obergeschoß eine großzügige Tagesstätte mit Essraum geschaffen. Nach Volker Dürre soll hier eine Anlaufstelle für diejenigen Menschen entstehen, die sich einsam fühlen und Kontakt suchen. Ein möglicher Personenkreis wären beispielsweise ehemalige PLK-Patienten. Dieses Angebot versteht Dürre als notwendige Ergänzung zu den festen Gruppen der "Arche". Die Tagesstätte soll (vermutlich ab Januar) offen für alle sein und auch beschäftigungstherapeutische Angebote beinhalten, z.B. Textilmalerei.
Für viele Mitarbeiter ist die REHA-Werkstatt inzwischen zu einem zentralen Lebenspol geworden, wo auf sie eingegangen wird, sie einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen und dafür entlohnt werden. Eine seit Sommer bestehende therapeutische Wohngruppe will einigen Mitarbeitern darüber hinaus die Mäglichkeit geben, sich in weitgehender Eigenverantwortung eine "feste Heimat" aufzubauen. Nach Volker Dürre ist es erstrebenswert, unter Anleitung von Fachkräften und von Zivildienstleistenden immer mehr Dauerarbeitsplätze einzurichten.
Als äußerst positiv würde es der Sozialarbeiter empfinden, wenn die Landkreisverwaltung auf einen weiterführenden Vorschlag einginge. Denn gegen einen Mietzuschuss würde der REHA-Verein gerne Sozialhilfeempfänger einstellen. Die würden dann Lohn statt Sozialhilfe erhalten, ein nach Volker Dürre wesentlicher Unterschied. Dadurch nämlich würde das Selbstwertgefühl erheblich steigen. Dass dies bei vielen Mitarbeitern auch weiter geschieht, bleibt zentrales Anliegen der Emmendinger REHA-Werkstatt und des Ladens in der Hochburger Straße. Deswegen werden weiterhin interessierte Firmen für Aufträge gesucht - und wenn große Paletten den Weg versperren, so ist dies Ausdruck wirtschaftlicher Expansion und mangelhafter Lademöglichkeiten.
Bild: Truöl