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Chronik

 Emmendingen berichtet am 18. Februar 1989

Gerangel um Werkstatt für psychisch Kranke
REHA-Verein vermisst Absprache bei Emmendinger Plänen

KREIS EMMENDINGEN (ja). In Emmendingen wird es bald eine beschützende Werkstatt für psychisch Kranke geben. Sie soll Stadt nah im Industriegebiet von Emmendingen liegen und vorerst 25 Plätze bieten. Wilhelm Sugge, Abteilungsleiter beim Landessozialamt, stellte diese Pläne bei der Sitzung des Arbeitskreises Sozialpsychiatrie im Landratsamt vor. Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung hatte zuvor Gisela Vollmer vom Begleitdienst für psychisch Kranke mit einem Bericht über ihre Arbeit dargelegt: Hauptprobleme ihrer Klientel sind es, Arbeit und Wohnung zu finden.
Fast 100 Menschen im Landkreis werden derzeit betreut, wobei der überwiegende Teil zwischen 21 und 40 Jahre alt ist. Doch nur elf Prozent der Betreuten gehen einer Erwerbstätigkeit nach: 16 Prozent bekommen eine Rente. In der Reha-Werkstatt in Emmendingen können sie ohne lange Wartezeiten Aufnahme finden, nur ist den Leistungsfähigeren dort häufig der Lohn zu niedrig, berichtete die Sozialarbeiterin. Eine anerkannte Werkstatt bietet demgegenüber eine finanzielle Absicherung.
Auch für Sozialdezernent Josef Rombach ist das daher die bessere Lösung, weil damit gleich die spätere Rente gesichert wird. Nur: nicht alle psychisch Kranken kann man beruflich rehabilitieren. Eine Strukturierung ihres Tagesablaufs oder ähnliche Hilfen brauchen aber gerade die anderen. Da bietet der Reha-Verein beispielsweise eine Werkstatt, die mit einer Tagesstätte kombiniert ist.
Reha-Geschäftsführer Norbert Klein-Alstedde kritisierte, dass man die Pläne für eine neue Werkstatt nicht mit seiner Organisation abgestimmt habe. Die Reha-Werkstatt in Emmendingen soll nämlich erweitert werden. So ist man auf der Suche nach Räumen, in die Produktion und Tagesstätte ausgelagert werden könnten, während in den bisherigen Räumen nur noch Rehabilitation betrieben werden soll. Zugleich will der Reha-Verein die Anerkennung für seine Werkstatt anstreben.
Die mangelnde Koordination bei der Planung im sozialpsychiatrischen Bereich birgt nach Klein-Alsteddes Ansicht vor allem Finanzierungsprobleme. Der Reha-Verein habe auf Selbsthilfe-Basis etwas aufzubauen versucht, was sich an den Bedürfnissen der Klienten orientiere - eben eine Mischung aus Arbeits- und Tagesstätte. Geht es um Geld für die Tagesstätte, fühlen sich aber weder die örtlichen noch die überörtlichen Träger der Sozialhilfe angesprochen. So lehnt es beispielsweise das Landratsamt ab, Sozialhilfeempfängern die Kosten für den Besuch der Tagesstätte zu ersetzen.
Auf dem Arbeitsmarkt haben psychisch Kranke schlechte Chancen, führte der Leiter der Arbeitsamt-Nebenstelle Emmendingen, Heinrich Engler, aus, wobei kleinere Betriebe noch am ehesten dafür zu gewinnen wären. Schwierig ist es auch mit der Schwerbehinderten-Eigenschaft: Gerade psychisch Kranke wollen sich nur ungern so einstufen lassen - nicht zu Unrecht, denn viele Arbeitgeber scheuen die Einstellung Schwerbehinderter.
So bleibt häufig doch "nur" die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt, wie sie in Elzach oder Riegel bestehen. Emmendingen war bisher eine Lücke - das soll sich in naher Zukunft ändern.