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Chronik

 berichtet am 4. Mai 2006

Bau-Union k├╝ndigt langj├Ąhrige Mietvertr├Ąge mit sozialen Gruppen

Werner Strobel (Name ge├Ąndert) l├Ąsst keinen Zweifel daran: "Das hier ist f├╝r mich zur Heimat geworden." Seit zw├Âlf Jahren wohnt er mit drei anderen in der therapeutischen Wohngruppe des Wohnheims Vogelsang, das die Wohnung in der Rheinstra├če 13 seit 1992 gemietet hat. Eine ehemalige "Franzosenwohnung" , die die Stadt Freiburg 1995 zusammen mit 593 anderen vom Bund kaufte, wieder verkaufte. Generalmieter aber blieb bis Ende 2005 die st├Ądtische Tochter Stadtbau. Jetzt hat die Sauer Immobilien GmbH als neuer Verwalter den Mietvertrag zum 30. September 2006 gek├╝ndigt.

Dabei hatte die Freiburger Stadtbau noch im vergangenen Dezember versichert: "Ihr Mietvertrag bleibt davon unber├╝hrt". N├Ąmlich vom Ende des Generalmietvertrags zwischen ihr und der S├╝dwestdeutschen Bau Union GmbH Co KG als neuer Wohnungseigent├╝merin. Sie beauftragte mittlerweile Sauer Immobilien, die bestehenden Mietverh├Ąltnisse zu k├╝ndigen. Was dann auch prompt geschah. Nachdem, sagt Peter Martschuk, der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Tr├Ągervereins Therapeutisches Wohnen, dieser ein Kaufangebot (353 000 Euro f├╝r 180 Quadratmeter) abgelehnt hatte.

Dasselbe Quartier (Institutsviertel), derselbe Eigent├╝mer, derselbe Verwalter: Hier hat die Carl-Theodor-Welcker-Stiftung drei ehemalige "Franzosenwohnungen" zur Begleitung von sechs seelisch kranken Strafentlassenen gemietet. "Eine ist schon gek├╝ndigt", erkl├Ąrt Beate Merkt, die bef├╝rchtet, dass auch die anderen gek├╝ndigt werden. "Und dann kommen wir mit unseren Leuten nirgendwo mehr unter." Was das hei├čt, deutet Norbert Ratzel, ebenfalls Mitarbeiter der Welcker-Stiftung zun├Ąchst nur an: "Wenn die M├Ąnner von uns betreut werden, hat man's im Griff, wenn nicht, dann hat die Stadt ein Problem." Oder deutlicher: "Wenn unsere Leute erfahren, dass sie daraus m├╝ssen, gibt es f├╝rchterliche Ausbr├╝che."

Dasselbe Quartier, ein anderer Besitzer. "Wir haben gerade die K├╝ndigungen f├╝r zwanzig psychisch Kranke bekommen", schildert Norbert Klein-Alstedde, Gesch├Ąftsf├╝hrer des Reha-Vereins, der unter anderem an der Katharinenstra├če fr├╝here "Franzosenwohnungen" gemietet hat. "Obwohl uns der Verwalter noch vor einem Monat versichert hat: Ihr k├Ânnt da wohnen bleiben." Schutzlos seien die Menschen "dieser Brutalit├Ąt ausgesetzt, mit der das durchgezogen wird", klagt der Gesch├Ąftsf├╝hrer. Der auch auf die Stadtbau und damit die Stadt Freiburg sauer ist: Die habe schlichtweg vers├Ąumt, die M├Âglichkeit wahrzunehmen, die Wohnungen - wie vertraglich vorgesehen - auch nach Ende 2005 noch einmal zweimal f├╝nf Jahre zu verwalten.

Ein ganz anderes Stadtviertel, derselbe Eigent├╝mer (Bau Union), derselbe Verwalter (Sauer), dieselben K├╝ndigungen: In der Bayernstra├če 1-3 hat die Stadt Freiburg Wohnungen gemietet f├╝r Menschen, die anderweitig nicht unterzubringen sind. S├Ąmtliche 15 seit Januar 1992 bestehenden Einzelmietvertr├Ąge mit der Stadt Freiburg wurden jetzt ebenfalls auf Ende September gek├╝ndigt. (Mit der Absicht, wie zu h├Âren ist, in dieser exklusiven Wohnlage in der Wiehre die Wohnungen zu Eigentumswohnungen zu machen.) Doch: "Wir akzeptieren diese K├╝ndigung nicht", sagt B├╝rgermeister Ulrich von Kirchbach, der es gerade gut findet, dass es auch in der Wiehre solche Unterk├╝nfte gibt. In ihrer Antwort an die Bau Union macht die Stadt Freiburg jedenfalls erstens klar: "Die Stadt geht von einer Fortsetzung des Wohnraummietverh├Ąltnisses aus." Und zweitens bestehe in Freiburg angesichts eines erweiterten K├╝ndigungsschutzes bei umgewandelten Wohnungen eine Sperrfrist von zehn Jahren.

Die Stadt Freiburg will es nun auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, das Haus Vogelsang und die Welcker-Stiftung ebenfalls. Erst recht vor dem Hintergrund der Pl├Ąne des Oberb├╝rgermeisters Dieter Salomon, die gut 9000 Stadtbau-Wohnungen zu verkaufen. Denn f├╝r Christoph Wagenbrenner vom Bezirksverein f├╝r soziale Rechtspflege (der Strafentlassene betreut) stellt sich da die grunds├Ątzliche Frage: "Wie geht es weiter, wenn die Stadt selbst ihre Wohnungen verkauft?" F├╝r Elisabeth Noeske, Leiterin des Hause Landwasser, einer ├ťbergangseinrichtung f├╝r seelisch kranke Menschen, liegt die Antwort auf der Hand: "Es wird zunehmend schwierig, die Leute aus Einrichtungen in Wohnungen zu entlassen." Schlie├člich sei die Stadtbau (die fr├╝here Siedlungsgesellschaft) vor allem "wegen des Bedarfs an bezahlbarem Wohnungen gegr├╝ndet worden". Oder wie es Christoph Wagenbrenner, auch mit Blick auf Alleinerziehende und kinderreiche Familien, ausdr├╝ckt: "Die Leute gibt's - und man kann sie nicht in den Wald setzen und einen Zaun drum ziehen." Nach mehrmaliger Nachfrage der BZ verwies der Gesch├Ąftsf├╝hrer von Sauer Immobilien, Michael Hochwelker, an Uwe Kleiner, den Chef der Bau Union, der aber gestern nicht mehr erreichbar war.
Gerhard M. Kirk

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