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Chronik

 berichtet am 27. November 1984

Im Zentrum statt am Rand
REHA-Verein informiert √ľber Probleme psychisch Kranker

Seit einigen Monaten gibt es in der Gerberau 28a eine REHA-Ladenwerkstatt, in der nicht nur Waren aus mehr als 20 sozialen Institutionen wie Behindertenwerkst√§tten und Rehabilitationseinrichtungen verkauft werden, sondern wo in einer kleinen Werkstatt auch Holzst√ľhle geflochten werden. Neben der Laden-Werkstatt befinden sich im gleichen Geb√§ude auch die Verwaltung des REHA-Vereins zum Aufbau sozialer Psychiatrie und eine Wohngemeinschaft. Am Mittwoch, 28. November, bietet der Verein mit einem Tag der offenen T√ľr zwischen 12 und 19 Uhr die M√∂glichkeit, sich √ľber die Arbeit in der Laden-Werkstatt und √ľber die Probleme psychisch Kranker zu informieren.
Der REHA-Verein besteht in Freiburg seit 1979 und hat sich die Wiedereingliederung ehemals psychisch Kranker in den sozialen und beruflichen Bereich zur Aufgabe gemacht. Au√üerdem wird versucht, psychischer Erkrankung oder Wiedererkrankung vorzubeugen und Vorurteile gegen√ľber psychisch Kranken abzubauen. So ist man nach den Worten von Ida Schulte vom Reha-Verein auch froh dar√ľber, nach langem Suchen ein Haus in der Innenstadt gefunden zu haben. Die Probleme psychisch Kranker seien damit ins Zentrum der Stadt und damit auch ins Zentrum des Bewusstseins der Bev√∂lkerung ger√ľckt worden. Man wolle, so Ida Schulte, eine Ghettoisierung der Probleme psychisch Kranker am Rand der Stadt vermeiden und den Klienten selbst die M√∂glichkeit bieten, Kontakt zur Bev√∂lkerung aufzunehmen. Eine solche Kontaktaufnahme f√∂rdere auch den Abbau von Vorurteilen und erleichtere damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
Mit großem Bedauern hat man im REHA-Verein zur Kenntnis genommen, dass die Verkaufsstände auf dem Rathausplatz, an denen in den vergangenen beiden Jahren in unregelmäßigen Abständen zahlreiche Produkte aus sozialen Einrichtungen verkauft wurden, nicht mehr erlaubt sind. Die Stadt habe dem REHA-Verein als Alternative Stände auf dem Kartoffelmarkt angeboten. "Hier gehen wir aber unter", meint Ida Schulte.

Es sei bedauerlich und zugleich unverst√§ndlich, dass die Stadt, von der man f√ľr die Arbeit Zusch√ľsse bekomme, eine so wichtige Einnahmequelle wie die Verkaufsst√§nde auf dem Rathausplatz verbiete. F√ľr den Verein bedeute das einen Verlust von 20 000 Mark im Jahr, die bisher den psychisch Kranken zugeflossen seien. Da etwa die Werkst√§tten nicht durch Kostens√§tze finanziert werden, sondern sich auf die Dauer selbst tragen sollen, sei das Verbot der Verkaufsst√§nde auf dem Rathausplatz besonders schmerzlich.
gln

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